Im Herbst 1993 hattest Du und Chica uns als eure Familie ausgesucht.

Als Bauernhofkatzen war die Wohnung etwas ganz Neues für Euch und ihr Beiden habt alles bestaunt und immer ganz eng zusammen geschlafen.


In Eurem neuen Zuhause habt ihr gleich alles gründlich untersucht. Schachteln hattest Du besonders gern und jeden Winkel habt ihr für eure Spiele gefunden.

Dann sind wir zusammen in die Ferien. Das war eine neue Erfahrung für Euch. Es war Winter und vor unserem Fenster sassen jeden Tag drei hungrige kleine Katzen mit ihrem Onkel. Der alte Herr hatte zerfetzte Ohren und er hat immer erst gefressen, wenn die Kleinen satt waren. Es hat mir das Herz zerrissen, dass ich sie nicht mitnehmen konnte, aber es waren Wilde, die nur draussen leben konnten.


Den Balkon hast Du über alles geliebt und den Vögeln zugeschaut und das Gepiepse der jungen Spatzen ertragen. Nachts hast Du Insekten und Käfer gejagt und Dich zwischen den Pflanzen versteckt.

Einmal wurde ich sehr krank. Du hast mich getröstet und mit deiner kleinen Pfote über meine Stirn gestrichen, wir haben vor dem Schlafen geschmust und Du hast mich in den Schlaf geschnurrt.



Du hattest für dein Leben gerne frische Waldblumen im grosse Tontopf, woran Du schnuppern konntest und das frische Blumenwasser hast Du immer getrunken.

Bald konntest Du nicht mehr so hoch springen wie Chica, Du hattest zugenommen und wurdest auch ein bisschen faul. Dein Atem ging schwer. Der Dok meinte, Du seist Herzkrank und Du musstest das erste Mal ins Katzenspital. Aber Du warst nur zu dick und musstest nun Diätfutter fressen, das Dir aber garnicht geschmeckt hat.



Sobald ich frisch gewaschene Wäsche hatte hast Du dich darauf gelegt und bist eingeschlafen.

Und eines Tages hab ich Euch den kleinen schwarzen Nero mitgebracht. Chica mochte den Winzling gar nicht, aber Du hast ihn bei Dir schlafen lassen, ihn geleckt und ihm alles beigebracht. Nero konnte sich keinen besseren Papa wünschen.


Am liebsten hast Du auf dem Rücken geschlafen und das sah so süss aus, wenn Du deine kleinen weissen Pfötchen in die Luft gehalten hast.

Einmal warst Du sehr krank und hattest Blasensteine, das hat sehr weh getan. Tagelang warst Du in der Praxis und musstest sogar operiert werden. Weil es Dir so schlecht ging mussten wir Dich in eine weit entfernte Klinik bringen. Da warst Du fast eine Woche lang und wir hatten schreckliche Sehnsucht nach Dir.

Als wir Dich geholt haben, hat der Dok gesagt, dass deine Nieren sehr krank sind. Nun durftest Du nur noch Nieren-Diätfutter fressen.

Jeden Abend, wenn ich im Bett war und das Licht gelöscht habe, bist Du ganz leise und vorsichtig auf das Kopfkissen neben mir geschlichen und hast geschnurrt und ich habe dein weiches Fell an meiner Backe gespürt und habe dein Pfötchen beim Einschlafen gehalten.

Alle paar Monate mussten wir zum Bluttest um zu sehen, wie deine Nieren schaffen. Einmal war das Ergebnis sehr schlecht und die Frau Doktor hat Dich gleich in der Katzenklinik angemeldet, gerade vor Ostern.

Eine Woche musstest Du diese Infusionen haben und ich habe Dich jeden Tag im Tierspital besucht. Sie haben Dich gebracht und ich konnte Dich eine halbe Stunde lang streicheln und mit Dir reden.

Zuhause ging es Dir erst nicht gut, erst nach Tagen hast Du wieder was gefressen. Du bekamst jeden Tag eine Tablette und nach 6 Wochen ging es Dir wieder richtig gut.

Dann wurde Chica sehr krank und musste uns verlassen. Wir waren sehr traurig und Du hast Dich immer mehr zurück gezogen, mochtest auch nicht mehr mit Nero spielen.


Du hast nichts mehr gefressen, warst immer müde und wurdest immer schwächer. Wir hatten abgemacht, dass Du mir sagst, wenn Du gehen willst. Am 1. Juli kamst Du zu mir und hast mir gesagt, dass Du zu Chica gehen möchtest. Du bist ganz sanft hinüber geschlafen.



Bläcky, von Dir habe ich in diesem Leben am meisten gelernt.

Ich danke Dir, dass Du bei mir warst, mein Freund.

Deine Ma

Bläcky
10.09.93 - 01.07.08
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