„Das gibt es doch nicht“.... dachte Boris

  

Jetzt sind sie fort. Die Wohnungstür wurde von aussen geschlossen. Ich habe es deutlich gehört, wie jeden Morgen.  Das Geräusch der Lifttür, das Surren, wenn der Lift sich in Bewegung setzt, um die sechs Stockwerke hinunter zu schweben. Jetzt habe ich endlich meine Ruhe. Die nächsten Stunden gehört die Wohnung mir.

Ich mache meinen Rundgang. Zuerst ins Schlafzimmer. Das Bett ist noch warm, aber geschlafen habe ich genug. Ein Satz aufs Pult beim Fenster. Das Kreischen der Vögel wie jeden Morgen. Warum nur die kleinen frechen Viecher ausgerechnet an der Hauswand neben dem Fenster picken müssen. Eine Weile schaue ich mir das an, dann schleiche ich zurück ins Wohnzimmer.

Das Garnknäuel von gestern Abend liegt noch unter dem Sessel. Einige Minuten lang rolle ich mich darüber, fange es auf und lasse es im Schuss über den Teppich rollen. Es macht keinen Spass, so allein.

Jetzt will ich was fressen. In der Küche haben sie mein Futter parat. Was es wohl heute gibt? Die Schüssel ist nicht am gewohnten Platz. Ratlos starre ich in die Ecke neben dem Kühlschrank. Also, sie haben mich vergessen !

Ich trotte zur Balkontür. Manchmal vergessen sie die Tür zu schliessen Draussen gibt es mehr Abwechslung als in der Wohnung, Geräusche, Gerüche, Insekten für den grössten Hunger.

Die Glastür ist zu. Nicht mal dieses kleine Vergnügen kann ich mir gönnen. Ein Topf steht vor der Balkontür, eine Schüssel mit Beeren – und der rote Plastiknapf. Mein Futternapf! Mein Futternapf mit Katzenfutter. Mein Futter, mein Lieblingsfutter. Sardinenköpfe. Draussen. Hinter der Glastür. Unerreichbar !

 Boris  (z.Zt. im Katzen-Nirwana)

Christine Frey